Pizza Talk III: Shitstorm-Vortrag auf der Sunbelt XXXIV

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Gestern war Showtime für die neusten Erkenntnisse aus der Shitstorm-Forschung. Bühne war die Sunbelt-Konferenz, auf der es um die Soziale Netzwerkanalyse geht und die in diesem Jahr in St. Pete Beach, Florida stattfindet. Die „Pizza Talks“ sind eine lose Serie von Vorträgen, die sich um wissenschaftliche Aspekte des Viralen Marketings drehen, ins Leben gerufen von meinem Forscherkollegen Prof. Jürgen Pfeffer von der Carnegie Mellon University und mir.

Um unsere empirischen Beobachtungen und Überlegungen zum Shitstorm-Phänomen zu veranschaulichen haben wir uns ein Ereignis näher angeschaut, das im vergangenen Jahr in den USA für Aufsehen gesorgt hat: das „Rolling Stone“-Cover, das den mutmaßlichen Bombenleger des Boston-Marathons Dzhokhar Tsarnaev auf dem Titelbild zeigte. Ausgewertet haben wir US-Tweets mit Geo-Tag, die im Zuge einer Langzeiterhebung gesammelt wurden.

Bei der Analyse der Daten fiel unter anderem auf, dass beim „Rolling-Stone-Firestorm“ Bots und Spammer keine unwesentliche Rolle gespielt haben. Diese Accounts greifen offenbar gezielt die Trending Topics ab, um ihre Follower-Anzahl zu erhöhen. Diese Beobachtung lässt den Schluss zu, dass der Ausbau der eigenen sozialen Reichweite eine weiterer Erklärungsansatz sein könnte, warum sich Menschen an einem Shitstorm beteiligen.



Von Thomas Zorbach am 22. Februar 2014
in Shitstorms, Social Media, Theoretische Aspekte, Vorträge & Seminare, Wissenschaft

Brauner Bär, Weißes Kaninchen

Verlagsworkshop in Rumänien

Als die Arbeit getan, das letzte Chart aufgelegt und alle bunten Kärtchen beschrieben waren, wollten sich die Teilnehmer zur Erinnerung noch einmal mit dem heimlichen Star ablichten lassen. Mit seinem Spitzohr-Charme, hatte das Weiße Kaninchen im Rahmen des Workshops in Sinai, am Fuße der Karpaten, die Herzen des rumänischen Publikums erobert. An den beiden Tagen gab es leidenschaftliche Diskussionen bis spät in die Nacht, unfassbar deftiges Essen, schwangere Bräute, die auf Tischen tanzten und wilde Bären, die um das Hotel streunten. Aber von vorne …

Ende letzten Jahres erreichte mich eine Nachricht des rumänischen Verlegerverbandes. Für das Schulungsprogramm PRO-EDIT, kofinanziert von der Europäischen Union, wollte man mich als Referenten gewinnen. Die Einladung stammte von Marilena Iovu, Koordinatorin der auf drei Jahre angelegten Initiative, in ihrem Hauptberuf Foreign Rights-Verantwortliche bei Editura All. Frau Iovu hatte ich einige Monate zuvor am mediacampus frankfurt kennengelernt, wo ich einen äußert inspirierenden Nachmittag mit rumänischen Verlagsleuten verbracht hatte. Die Exkursion nach Rumänien passte hervorragend ins Bild meiner Forschungsreise, die ich für 2012 plante, deswegen nahm ich die Einladung mit großer Begeisterung an.

Am Donnerstag letzter Woche war es dann soweit und ich wurde am Flughafen in Bukarest in Empfang genommen. Von dort aus ging es mit dem Minibus nach Sinaia, einem beliebten Ausflugsziel neunzig Autominuten entfernt. Von meinem Zimmer im 7. Stock des Hotel Mara, bot sich mir ein imposanter Ausblick über die bewaldeten Berge. Die Ausmaße meines Hotelzimmers waren nicht minder atemberaubend. Ich hätte darin bequem einen Sektempfang für alle Seminarteilnehmer oder auch ein Badminton-Turnier ausrichten können. Zu Zeiten des kommunistischen Regimes war die Anlage ausschließlich Parteimitgliedern vorbehalten gewesen und da der ehemalige Regierungschef Ceauşescu die Neigung hatte, seine Macht durch eigentümliche Größenverhältnisse zu demonstrieren, kam ich mir in dem Ensemble etwas verloren vor.

(Foto: Marilena Iovu)

Allein, in meiner überdimensionierten Kommandozentrale, kamen mir leise Zweifel. Was wusste ich eigentlich über Rumänien und seine Verlagsbranche? Hatte ich mich genügend vorbereitet, hatte ich die richtigen Inhalte ausgewählt? Main Plan war, von meinen Erfahrungen aus Deutschland zu berichten, über Promotion und PR zu sprechen, über die Projekte die wir für die Verlage in den letzten Jahren umgesetzt haben. Aber waren meiner Beispiele überhaupt für den rumänischen Markt relevant?

(Foto: Marilena Iovu)

Zur Vorbereitung auf den Workshop hatte ich ein wenig recherchiert und war, dem Internet sei’s gedankt, auf eine aktuelle Studie des U.S Home Department gestoßen, die einige topgraphische Daten der Social Media Landschaft Rumäniens beinhaltet. Schon diese Informationen machten deutlich, dass in Rumänien völlig andere Rahmenbedingungen für die Verlagsarbeit vorherrschen. So liegt beispielsweise die Verbreitung des Internet mit knapp 33% deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (60%). Die überwiegende Mehrheit der Nutzer stammt aus Bukarest und Umgebung. Und anders als in Deutschland wird das Internet überwiegend von Zuhause aus benutzt, nicht im Büro.

Ausgehend von dem Grundgedanken, dass Mitarbeiter in Verlagen, egal ob Publikums- oder Fachverlage sich künftig als Fanmanager wahrnehmen sollten, hatte ich ein Programm zusammengestellt, das einerseits Impulsvorträgen von meiner Seite vorsah und andererseits den Teilnehmern die Möglichkeit bieten sollte, im Sandkasten zu spielen und das erworbene Wissen im Zuge einer Praxissaufgabe unmittelbar anzuwenden. Schon in den ersten Sessions wurde deutlich, dass auch die rumänische Verlagsbranche große Unterschiede aufweist. Während man in Deutschland pro Jahr von rund 80.000 Neuerscheinungen ausgeht, sind es in Rumänien lediglich 8.000 Titel. Hierzulande spricht man von einem Bestseller, wenn von einem Taschenbuch mehr als 30.000 Exemplare verkauft werden. In Rumänien werden bereits 5.000 verkaufte Exemplare als Riesenerfolg gewertet. Marketing- und PR-Budgets sind entweder rar oder überhaupt nicht vorhanden.

Das wiederum fordert die Kreativität auf Seiten der rumänischen Verlage. Die neuen Medien spielen im Werben um die Lesergunst eine immer größere Rolle. Loredana Modoran, seit einem Jahr Social Media Managerin bei Editura All, berichtete beispielsweise von einer ganzen Reihe spannender Aktionen, die sich hauptsächlich auf Buch-Blogger bezogen: Book-Crossing, Schnitzeljagden, exklusive Premierenevents. Auch in Rumänien sind die Verlage also bestrebt Bücher jenseits der bloßen Lektüre zu Erlebniswelten auszubauen, um damit Leser zu gewinnen.

Meine anfänglichen Zweifel lösten sich glücklicherweise schon am ersten Workshop-Tag in Wohlgefallen auf. Der „Algorithmus“ der unserer Arbeit bei vm-people zugrunde liegt und den ich anhand von Beispielen vorstellte, stieß nicht nur auf allgemeines Interesse, sondern wurde von den Teilnehmern im Rahmen der Übung mit viel Einfallsreichtum umgesetzt. Aufgabe war es, in Gruppen, eine virale Kampagne für „Das alte Kind“ von Zoe Beck (Bastei Lübbe) für den rumänischen Markt zu entwickeln und abschließend zu präsentieren. Einzig die Simultanübersetzung bereitete mir anfänglich etwas Schwierigkeiten, was aber nicht an den beiden großartigen Übersetzern, sondern daran lag, dass ich offenbar eine Vorliebe für Bandwurm- und Schachtelsätze habe. Gewundert habe ich mich etwas über meinen kleinen Reisegefährten, das Weiße Kaninchen. Während der beiden Tage wusste ich oft nicht, wo es sich gerade herumtrieb. Erst nachdem mir einige Workshop-Teilnehmer im Anschluss ihre Fotos zugesandt haben, wurde mir Einiges klar: es war überall dort, wo gerade eine Kamera gezückt wurde. Nun denn, solange es keine Starallüren entwickelt, soll es mir recht sein.

Auch außerhalb des Seminarraums hatte ich in Sinaia eine erinnerungswürdige Zeit. Der Rundgang ums das Hotel zum Luftschnappen fiel zwar leider aus. Einerseits regnete es die meiste Zeit über in Strömen. Anderseits warnte ein Schild im Eingangsbereich vor gefährlichen Begegnungen mit Braunbären. Dafür gab es am Rande viele nette und interessante Gespräche mit den Teilnehmern, gutes Essen, Karaoke und mitreißend feiernde Hochzeitsgesellschaften mit ausgelassenen Bräuten. Marilena Iovo, liess es sich nicht nehmen mir am Tag meiner Abreise, einige Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Den Höhepunkt bildete dabei der Besuch des Parlamentspalasts in Bukarest, den sich Ceauşescu in den 1980er Jahren errichten ließ das nach dem Pentagon, zweitgrößte Gebäude der Welt. Eine faszinierende und verstörende Erfahrung zugleich.

Frau Iovou, ihrem Mann und allen Teilnehmern des Workshops möchte ich ganz herzlich für diese bereichernde Erfahrung danken und dafür, dass ich zu Gast sein durfte. Es war eine schöne Zeit und ich komme gerne wieder!

(Foto: Marilena Iovu)



Von Thomas Zorbach am 22. Mai 2012
in Das weiße Kaninchen, Journey 2012, Vorträge & Seminare

Bye bye California, Bună ziua România!

Ich habe meinen Aufenthalt in den USA für einige Wochen unterbrochen, nicht aber meine Reise. Nach einem kurzen Boxenstopp in Berlin, bin ich gleich wieder in die entgegengesetzte Richtung aufgebrochen, nach Osten, in ein Land, von dem ich bislang, ehrlich gesagt, kaum etwas wußte, abgesehen davon, dass es die Popkultur durch seinen extrem exportfähigen Volksglauben bereichert hat. Die Rede ist von Rumänien und meine Reise führt mich genau dort hin, wo dieser Volksglaube, in dessen Zentrum blutsaugende Nachtgestalten stehen, seinen Ausgang nahm, in die Karpaten.

Der Anlass meiner Reise bildet jedoch nicht die Einladung eines ominösen Grafen auf sein Schloss, deswegen haben das Weiße Kaninchen und ich wohl nichts zu befürchten. Zumindest hoffen wir das. Bereits im letzten Jahr hatte ich das große Vergnügen am mediacampus frankfurt einen Vortrag vor einer Delegation rumänischer Verlagsvertretern zu halten. Bei meinem Trip handelt es sich sozusagen um meinen „Gegenbesuch“. Das zweitägige Seminar, das in Sinaia stattfindet und an dem 30 Vertreter aus den wichtigsten rumänischen Verlagen teilnehmen, trägt den Titel „How to win true fans : Strategic marketing for publishers in the digital age“.

Programm:
18. + 19. Mai 2012

Session #1: Introduction –
The Economic Value of Fandom and Why Publishing Houses May Profit

Session #2: Viral Marketing –
Fresh Insights from the Laboratories of the Publishing Industry

Session #3: Social Media –
A Publisher‘s Guide Through the Google-Galaxy

Session #4 – Transmedia Storytelling –
How to Monetize your Content beyond One Single Platform

Ich bin gespannt und werde berichten!

Foto: Peles-Castle, Sinaia by Gabi Jugma



Von Thomas Zorbach am 17. Mai 2012
in Allgemein, Das weiße Kaninchen, Journey 2012, Vorträge & Seminare

Zurück in die Realität beim Virtual Worlds Camp 2

Am letzten Dienstag fand im Berliner Congress-Centrum am Alex das sogenannte Virtual Worlds Camp 2 statt. Dabei belohnte das Programm den aufmerksamen Teilnehmer mit einem bunten Blumenstrauß an interessanten Vorträgen. Einige davon drehten sich um den Aufbau und die Entwicklung von globalen Wirtschaftssystemen innerhalb der virtuellen Welten. Andere beschäftigten sich mit sozialen Umständen und der engen Verbundenheit des Spielers mit seinem Avatar. Da war es fast schon ein seltsames Gefühl, in einem eigenen Beitrag aus den virtuellen Welten wieder zurück in die Realität auszubrechen.

Unter dem Titel „Interkulturelle Erlebnisse eines Alternate Reality Games“ gab es nicht nur einen Rückblick auf das vor kurzem zuende gegangene ARG Charlotte is becoming real sondern entlang der Einführung in die Thematik eines ARGs auch eine Auseinandersetzung mit verschiedenen, teilnehmenden Communities. Das Alternate Reality Game startete in den USA und involvierte die amerikanischen und generell die englisch-sprechenden Teilnehmer. Später flogen sogar zwei amerikanische Teilnehmerinnen nach Berlin um dort mit der deutsch-sprachigen Community das Finale zu bestehen. Im Vordergrund des Beitrags stand dabei die Betrachtung des Austausches der beiden Communities untereinander sowie deren Umgang mit der Story und den Aufgaben.



Von vm-people am 29. Mai 2009
in Vorträge & Seminare

Die Kunst des Zuhörens: Zu Gast bei den 9. Göttinger Strategiegesprächen

Am Freitag habe ich eine Exkursion nach Göttingen unternommen, wo zwei kleine Traditionen ihre Fortsetzung fanden. Bereits zum neunten Mal lud die Private Fachhochschule vor Ort zu ihren Strategiegesprächen. Und zum zweiten Mal nach 2005 war vm-people an der Hochschule zu Gast.

Eingeladen hatte damals wie heute Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof, der an der Hochschule Allgemeine Betriebswirtschaftslehre lehrt. Das ist der Mann, der auf dem Foto so grimmig dreinschaut, obwohl es dafür eigentlich gar keinen Grund gab, denn die Veranstaltung war informativ, gut strukturiert und perfekt organsiert.

Als Dach für die diesjährige Veranstaltung hatten Prof. Dr. Riekhof und seine studentischen Mitorganisatoren ein Thema gewählt, das viele Facetten umfasst und das uns bei vm-people schon länger umtreibt: „Customer Insights. Wissen, wie der Kunde tickt.“ Ich habe dazu einen Vortrag mit dem Titel: „Die Kunst des Zuhörens“ gehalten. Ausgehend von einer durch persönliche Erfahrungen geprägten Kulturgeschichte des Zuhörens im Bereich Marketing und Werbung habe ich drei Fallbeispiele aus unserem Wirkungskreis vorgestellt.

Beispiel „TOMs Book“ – Zuhören, um sich zu verändern: In unserer viralen Kampagne für die Zeitung werden die Einsichten von den Teilnehmern gleich mitgeliefert in Form der Einträge, die sie produzieren. Zentrale Erkenntnis: Jugendlichen interessieren sich durchaus auch für „erwachsene“ Themen.

Mein Vortrag lebte in erster Linie von Bildern und den Geschichten, die ich dazu erzählt habe. Ich stelle ihn hier trotzdem als Download zur Verfügung. Die Beiträge der Referenten sollen zu einem späteren Zeitpunkt als Sammelband im Gabler-Verlag veröffentlicht werden. Vielen Dank an Prof. Dr. Riekhof für die Einladung und die gelungene Veranstaltung und bis zum nächsten Mal.



Von vm-people am 10. Mai 2009
in Theoretische Aspekte, Vorträge & Seminare