Warum Live Events im digitalen Zeitalter wichtig sind

Die Welt, in der wir leben, wird zunehmend globaler und Informationen immer besser zugänglich. Man kann mit einem Daumendruck auf einen dieser magischen Steine, die wir ständig mit uns rumtragen, Dinge auslösen, welche die eigene Vorstellungskraft häufig übersteigen. Warum sollte man sich da aus der Gemütlichkeit des eigenen Sofas noch freiwillig nach draußen bewegen und unter andere Menschen mischen?

Der technologische Trend scheint eher auf einer Einkapselung des Individuums zu deuten und trotzdem wird gerade auf der SXSW mehrmals deutlich darauf hingewiesen, das Live Events unglaublich wichtig sind. In der Session „Why Live Events in a Digital Age?“ sprachen sich Event Manager und Director größerer amerikanischer Konzerne zu diesem Thema aus und gaben Einblicke in ihre Arbeit.

Wieso überhaupt Live Events?

Um diese Frage beantworten zu können, kann man folgende Beobachtungen anstellen:

  1. Bei einem Live Event werden Räume und Orte in etwas verwandelt, das die Teilnehmer überrascht und im allerbesten Fall verzaubert. Vor dem Event war hier noch etwas vollkommen anderes. Eine leere Halle, ein grünendes Feld, oder wie hier – bei der SXSW-Interactive – Straßen, die nicht von Nerds überlaufen sind. Diese Transformation hat etwas tief magisches an sich, jedoch zählt hier jedes Detail. Und das spüren die Teilnehmer.
  2. Normalerweise betreibt man den Aufwand, einen Ort zu verwandeln, nicht nur für eine Person sondern für eine Gruppe von Menschen. Egal, ob Exklusive Privatveranstaltung oder riesiges Konzert, man bringt unweigerlich Menschen zusammen. Ein Event ist also etwas, an dem man in anderen Personen teilnimmt.
  3. Man könnte nun annehmen, dass es genügt, einen Ort atmosphärisch zu gestalten und Leute dort hin einzuladen. Allerdings wird man in den meisten Fällen enttäuscht sein, dass kaum jemand auftaucht, wenn ihnen kein entsprechendes Rahmenprogramm geboten wird. Wichtig ist, dass hierbei eine durchgängige Geschichte erzählt wird, welche die Besucher für die Dauer des Events auf eine Reise mitnimmt. Wenn das gelingt, schafft man es den Fokus zu lenken und zieht die Aufmerksamkeit auf das Kernthema des Events.

Bringing a Brand to Live …

Katrina Kent stellte während der Session fest, dass mit einem Event eine Marke zum Leben erweckt werden kann. Ich glaube (aus eigener Erfahrung), dass dies nicht nur auf Marken zutrifft, sondern auch auf jedes andere Konstrukt anwendbar ist. Auf der anderen Seite behauptete Deb Gabor in ihrer Session „Branding is Sex, Get Your Customer Laid and Sell Anything“ das alles und jeder seine eigene Marke ist (Sie gibt hier auch eine gute Definition des Begriffs, ein kurzes Reinhören in den Audio-Mitschnitt lohnt sich daher). Aus dieser Sichtweise haben natürlich alle recht.

Egal, was den Kern eines Events darstellt, wichtig ist, dass man die Möglichkeit hat hier etwas zum Leben zu erwecken, das normalerweise so nicht greifbar ist – Sei es eine Marke, eine Idee, oder eine Geschichte. Und noch wichtiger ist, dass die Teilnehmer die Möglichkeit haben diesen Kern ganz lebendig zu erleben. Dabei spielt nicht nur das Kernthema des Events eine wichtige Rolle: Es gibt viele Veranstaltungen, auf denen sich Menschen (wieder) treffen, die sich sonst eigentlich niemals sehen und die Möglichkeit haben etwas gemeinsam zu erleben. Es ist wichtig im Kopf zu behalten, dass dies einen sehr hohen Reiz für viele Menschen darstellt und das Gesamtkunstwerk „Event“ erst ausmacht. Warum sollte ich auch auf ein Event gehen, bei dem ich die anderen Eingeladenen nicht leiden kann?

Und ich glaube dieses Lebendige, die Interaktion mit anderen Personen und das gemeinsame Partizipieren ist etwas, das Events gerade im digitalen Zeitalter wichtig machen.

Ein Event schafft eine Umgebung, in der die Teilnehmer mit Absicht die am Anfang genannten Ablenkungen in den Hintergrund stellen. Wenn man sich auf einem Rockkonzert befindet, wird man eher nicht seine Steuererklärung machen. Der Alltag ist in diesen Momenten plötzlich nicht mehr im Fokus. Und das passiert mit vollem Einverständnis der Teilnehmer: Sie wollen in eine Umgebung versetzt werden, in der sie gar nicht mehr an ihre alltäglichen Probleme denken müssen. Klar kann das durch eine VR-Brille zu Hause passieren, der Weg zum Schreibtisch ist von einem Event in den meisten Fällen jedoch deutlich schwieriger zu bewältigen.

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