Der Ruf des Abenteuers:
Was uns Campbells Heldenreise über den Umgang mit der gegenwärtigen Situation lehrt

„Der Ruf des Abenteuers bedeutet, dass das Schicksal den Helden gerufen hat.“ Mit diesen Worten beschreibt der Mythenforscher Joseph Campbell eine der wichtigsten Etappen seiner „Heldenreise“. Abgeleitet aus den großen Epen der Menschheitsgeschichte, illustriert das im Jahr 1949 erstmals vorgestellte Modell eine archetypische, universelle Grunderzählung, die mehr oder weniger allen Geschichten zugrunde liegt. („Der Heros in tausend Gestalten“).

Ausgelöst durch eine Art Weckruf, kehrt die Heldin oder der Held ihrer/seiner gewohnten Umgebung den Rücken und taucht in eine neue, ihr/ihm unbekannte Welt ein, in der sie/er sich den schwierigsten Herausforderungen und ihren/seinen größten Ängsten stellen muss. Am Ende ihres Abenteuers kehren die Held:innen um viele Erfahrungen bereichert und gereift in ihre Heimat zurück.

Campbells einflußreiches Werk weist auch darauf hin, dass wir Menschen vom Grunde unseres Wesens auf Gewohnheitstiere sind und die Risiken scheuen, die mit neuen Erfahrungen oft einhergehen. Ein Aufbruch in unbekanntes, unsicheres Terrain schreckt erst einmal ab („Refusal of the Call“). Deswegen haben wir die Tendenz, uns manchem Neuen zu verweigern und bleiben lieber in unserer, gewohnten Welt, auch wenn uns dort vieles nicht passt.

Wenn das Schicksal zweimal klingelt

Es gibt jedoch Umstände, die es unmöglich machen, den Ruf des Abenteuers zu überhören, so sehr man ihn auch zu ignorieren versucht. Campbell vergleicht diese speziellen Momente im Leben mit einem klingelnden Telefon, dass so lange und so penetrant läutet, bis wir irgendwann dazu bereit sind, den Anruf entgegenzunehmen. Leider ist ein solcher Anruf oft mit schlechten Nachrichten verbunden.

Wir alle haben in diesem Jahr einen solchen Weckruf erhalten, den wir nicht ignorieren konnten. Und das was uns mitgeteilt wurde, hat viele von uns in eine tiefe Krise gestürzt. Wir wurden gezwungen, zu einer Reise aufzubrechen, von der wir weder wissen, wie lange sie dauern, noch wo sie uns hinführen wird. Von dieser Krise sind wir alle betroffen, jeder Einzelne, aber auch Unternehmen und ihre Marken.

Die zwei Seiten der Krise: Gefahr und Gelegenheit

Dass große Krisen auch große Chancen in sich bergen, ist in fernöstlichen Kulturen selbstverständlicher als in unserer westlichen Hemisphäre. So setzt sich beispielsweise das chinesische Schriftzeichen für Krise aus zwei Symbolen zusammen: ein Zeichen steht für „Gefahr“, das zweite bedeutet „Gelegenheit“. Was wir aus der Situation machen, hängt also zunächst einmal von unserer Perspektive an.

Campbells Heldenreise sollte vor all denjenigen Mut machen, die in der gegenwärtigen Situation erkennen, dass sich die Geschichte ihres Unternehmens oder ihrer Marke nicht wie geplant fortschreiben lässt. Denn in ihrer existenzieller Not und zurück geworfen auf sich selbst, eröffnet sich Held:innen die Chance, ihr eigenes Wesen zu erkennen („The inmost Cave“),  und dadurch über sich hinauszuwachsen.

Finding Joe: Dokumentarfilm aus dem Jahr 2011 über Joseph Campbells Heldenreise

Wer den Ruf des Abenteuers erhört und sich entschlossen auf den Weg macht, erhält die Chance, die eigene Marke auf den Prüfstand zu stellen, sich auf ihre wichtigsten Werte zu besinnen und davon ausgehend ihren weiteren Weg neu zu bestimmen. Was Entscheidungsträger:innen von dieser Reise mitbringen, ist eine gute Geschichte, die sie weitergeben können. Eine Erfahrung, die ihre Marken verändert und die Menschen dazu inspirieren kann, ihre eigene Reise anzutreten.

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