Im Jahr 1987 hatten wir amerikanische Freunde zu Besuch: „Was, Ihr habt kein Fax?“ war die ungläubige Frage, über die wir uns köstlich amüsierten. Wozu um alles in der Welt sollte ein kleines Unternehmen ein Fax haben. Ende der neunziger Jahre hatte ich eine Diskussion mit Bernd Kreutz: Internet, das sei etwas für Pioniere – ein Minderheitenthema.

Am vergangenen Freitag fühlte ich mich an diese Erfahrungen erinnert: Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg hatte eingeladen zu „Weblogs, Podcasts, Web 2.0 – Chancen für Marketing und Kommunikation“. Thomas Schneider von der Online-Redaktion der Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten hatte den Part des Skeptikers übernommen und erfüllte seine Aufgabe mit Bravour: Weblogs als Medium, mit dessen Hilfe jeder erzählen könne, wie ihm sein soeben verspeister Broccoli geschmeckt habe, Podcasts als Instrument, damit Google auch noch die Schmatzgeräusche in sein Ranking aufnehmen könne und eine Philippika gegen die Spinner im eigenen VfB-Forum: Das alles hatte schon große polemische Klasse.

Nur: Könnte es sein, dass uns diese Sichtweise demnächst genauso peinlich ist, wie die oben beschriebene Erfahrung? Könnte es sein, dass Elizabeth Albrycht, Dr. Ansgar Zerfaß und Michael Schuster Recht haben, wenn sie von einem Paradigmenwechsel in der Mediennutzung sprechen? Könnte es sein, dass wir erst ganz am Anfang einer Entwicklung stehen, an deren Ende die klassischen Monopole der Informationsverbreitung fallen? In deren Rahmen eine fragmentierte Landschaft individuell generierter Inhalte entsteht? In der das Teilen von Wissen, die Schaffung von Vernetzungen und die Bildung von Vertrauen zu Erfolgskriterien werden? Ich bin gespannt.

PS: Liebe Frau Kranich von der MFG Baden-Württemberg, herzlichen Dank dafür, dass Sie unsere kurzfristige Teilnahme ermöglicht haben!