Die Geschichte beginnt mit einem Facebook-Post. Im Frühjahr letzten Jahres schrieb ich aus einer Laune heraus an meine Pinnwand, dass ich mit einem Zombie-ARG liebäugele und bat interessierte Freiwillige, Filmschaffende oder Autoren sich bei mir zu melden. Noch am gleichen Tag bekam ich zu meinem großen Erstaunen erste Fotos von einigen „zombifizierten“ Facebook-Freunden zugespielt. Andere bekannten in Kommentaren oder per Mail, das sie große Zombie-Fans seien und das es schon immer ihr größter Traum war, in einem Zombie-Film mitzuspielen.

Einige Wochen später flatterte dann ein Manuskript in mein virtuelles Postfach. Der Verlag hatte gerade einen Zombie-Titel ins Programm gehievt und von meiner kleinen empirischen Erhebung in meinem Umfeld Wind bekommen. Es handelte sich um ein Jugendbuch, ein Terrain also, das in den letzten Jahren vornehmlich von Vampiren regiert wurde. In Anbetracht des kleinen Begeisterungssturms, den mein Posting verursacht hatte, fiel es mir nicht schwer, die Frage, ob ich mir vorstellen könne, den Titel viral zu vermarkten, mit „Ja“ zu beantworten.

Nach eineinhalb Jahren Vorlauf ist es nun endlich soweit und unsere Geschichte rund um die Untoten geht heute an den Start. Wie schon so oft haben wir uns dabei wieder einiges vorgenommen. Vor allem aber wollen wir, abseits der altbewährten ARG-Pfade, mit transmedialen Formaten experimentieren. Die Experience trägt den Titel „Untot in Deutschland“ und führt Elemente wie Crowdsourcing, Gamification, Rollenspiel und Film in einem Erzählkosmos zusammen. Inwiefern dieser Ansatz tragfähig ist, darüber wird wie immer allein das Publikum entscheiden.

Der Auftakt jedenfalls war recht vielversprechend: Eine Organisation namens „Zentrale zur Abwehr Untoter“, kurz ZAU, machte in den letzten Tagen durch den Versand eines Zombie Survival Guides von sich reden. Das seltsame Regelwerk, dass an nichtsahnende Netzbürger gesendet wurde und das mit hilfreichen Tipps zur Prävention, Termination und Dekontamination im Falle einer Zombie-Epidemie aufwartet, rief großes Interesse vor. Auf der offiziellen Webseite der ZAU haben sich in nur zwei Wochen rund 1.000 Unerschrockene registriert, die bereit sind, den Kampf gegen die Untoten aufzunehmen.

Was nach Ablauf des Countdowns, am Montag um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit geschieht, wissen momentan nur einige Eingeweihte an der Graduate School of Library and Information Science an der University of Illinois in Urbana-Champaign. Nach dem ich dort letzte Woche im Rahmen einer Vorlesung von der Untot-Experience und einigen anderen Projekten der jüngeren Vergangenheit berichtet habe, fragte mich ein offensichtlich leicht verstörter Student, ob sich unsere Produktionen immer nur um Mord, Horror oder Katastrophen drehen und ob das die Voraussetzung für den Erfolg in Transmedia sei.

Ich habe ihm geantwortet, dass Transmedia Storytelling von guten Geschichten lebt, ganz egal, aus welchem Genre sie stammen und das ich liebend gerne zum Beispiel einmal eine Lovestory für einen Titel aus der Gattung Chicklit oder Love and Landscape plattformgreifend inszenieren würde. Zugegeben, ich schreibe diese Zeilen hier nicht ganz ohne die Hoffnung, dass sie von einem mutigen Autor oder einem experimentierfreudigen Verlag gelesen werden und das demnächst vielleicht eine andere Geschichte mit diesem Posting hier beginnt. Freiwillige vor!

Die Webseite der Zentrale zur Abwehr Untoter
Facebook-Seite der ZAU
Tumblr-Blog