Snapchat für Organisationen

Es wird immer schwieriger, junge Menschen über die herkömmlichen Medien mit politischer Berichterstattung zu erreichen. Daher nutzen immer mehr Organisationen die junge und unter den Millennials am schnellsten wachsende soziale Plattform Snapchat.  Sogar Präsident Obama hat mit der offiziellen Story des Weißen Hauses seit Anfang des Jahres einen eigenen Auftritt. Franziska Broich, die den seit Mai 2015 existierenden Snapchat Account des Europäischen Parlaments betreut, gibt auf der re:publica Tipps aus ihrer Erfahrung mit dem Instant-Messaging-Dienst:

20151106PHT01506_original

Foto: Das EU-Parlament auf Snapchat

  1. Snapchat lebt von Spontanität, Interaktion und Authentizität. Die NutzerInnen sind nicht daran gewöhnt, dass hinter einem Account ein Team von fünf Social-Media ManagerInnen steht, die die Inhalte von langer Hand geplant haben. Daher ist es wichtig, spontan und flexibel auf aktuelle Ereignisse einzugehen und nahbar zu sein. Also öfter mal die Gesichter hinter dem Account zeigen!
  1. Snapchat ist ein kreatives Tool. Das muss auch in der Gestaltung des Auftritts berücksichtigt werden. Die Art der Kommunikation und Tonalität sollte an die der Zielgruppe angepasst sein. Immer gut sind eine bunte Mischung aus Videos und Fotos sowie die Benutzung von speziellen Filtern, die wiedererkennbar sind. Dabei sollte nicht zu viel Text auf den Bildern sein und die Stories nicht länger als ca. zwei Minuten dauern.
  1. Auch bei den Inhalten ist Kreativität gefragt. Mögliche Formate sind Umfragen, bei denen per Screenshot abgestimmt wird, Gewinnspiele oder behind the scenes. Je einfallsreicher und bunter die Inhalte inszeniert sind, desto besser!
  1. Um FreundInnen und Follower für den eigenen Account zu finden, kann man von der App einen QR-Code in Form des bekannten gelben Geistes generieren lassen. Dieser führt nach dem Abscannen direkt zu dem gesuchten Profil. Er kann z. B. als Profilfoto auf Facebook eigebunden werden. Eine weitere Möglichkeit ist das Posten von Fragen auf schon bestehenden Social-Media Kanälen, deren Antwort in einer Story auf Snapchat zu finden ist.
  1. Snapchat wurde nicht darauf ausgelegt, dass ein Account von mehreren Personen gleichzeitig benutzt wird. So kann es schnell passieren, dass gerade gemachte Aufnahmen verloren gehen, weil sich eine zweite Person im gleichen Account eingeloggt hat. Auch sollte man immer im Kopf haben, dass Aufnahmen im Nachhinein nicht mehr bearbeitet werden können. Ein weiterer Schwachpunkt ist die Messbarkeit: Zwar kann man sehen, wie viele Menschen einen Beitrag gesehen haben, es gibt aber keinen Überblick über die gesamte Anzahl von FreundInnen und Followern.

Viel Spaß beim Snappen! Übrigens, die beste Zeit dafür ist vormittags, nämlich dann, wenn die Mehrheit der Follower in der großen Pause sind.

Hier der Talk von Franziska Broich auf der re:publica 2016: https://www.youtube.com/watch?v=ESqJPuF2Uxw



Von Katharina von Sohlern am 11. Mai 2016
in Konferenzen, Snapchat, Social Media

Snapchat – der Reiz des Vergänglichen

Über 500 ZuhörerInnen drängen sich vor der Stage 6 auf der re:publica 2016, um gleich Joshi zuzuhören. Joshi, eigentlich Joshua Arntzen, ist ein 14-jähriger Schüler, der den ganzen Erwachsenen „sein Internet“ erklären wird – und zu „seinem Internet“ gehört auch ganz eindeutig Snapchat.

Der Instant-Messaging-Dienst, mit dem Bilder und Videos (sog. Snaps) versendet und empfangen werden können, zählt aktuell zu den beliebtesten Apps in Deutschland, noch vor Twitter. Über 50 Prozent der NutzerInnen 2015 sind zwischen 16 und 24 Jahren alt, Tendenz steigend. Seine Besonderheit ist, dass Snaps sich nach einer bestimmten Anzahl an Sekunden zur Betrachtung selbst löschen. Darüber hinaus kann eine sogenannte Snapchat Story erstellt werden. In einer Story werden Bilder und Videos gesammelt, die immer wieder angesehen werden können, bis sie 24 Stunden nach der Veröffentlichung automatisch gelöscht werden.

Soviel zu den Grundlagen. Die Frage nach dem Grund für die unglaubliche Beliebtheit des Dienstes gerade unter jüngeren NutzerInnen, wird von Joshi, der über Skype zugeschaltet ist, so beantwortet: „Embedden, taggen, verlinken kann man bei Snapchat nicht. Das ist auch das Gute an Snapchat: Es gibt den ganzen Scheiß nicht.“

Snapchat ist der Ort für Inhalte, die man nie auf Facebook oder Instagram posten würde. Beispielsweise kurze Videos von der letzten Partynacht, der Face Swap mit dem Freund oder Impressionen aus der Dusche – Dinge, von denen man nicht unbedingt möchte, dass sie der zukünftige Arbeitsgeber beim obligatorischen Social Media Check findet.

Damit ignoriert die App ziemlich konsequent, was viele Menschen an anderen sozialen Netzwerken lieben. Wie die Inhalte, die sich einer digitalen Archivierung entziehen: Private Nachrichten sind nach ein paar Sekunden verschwunden, Storys nach einem Tag. Speichern in Form von Screenshots ist zwar möglich, widerspricht aber dem ungeschriebenen Ehrenkodex, wie Joshi erklärt, und das kann peinlich werden.

Der Reiz von Snapchat liegt in der Vergänglichkeit der Inhalte, die ihnen etwas Echtes und Unmittelbares verleiht, während z. B. Instagram durch seine immer perfekteren und durchgestylten Inszenierungen künstlich und nicht authentisch wirkt.

Das macht Snapchat zu einer Herausforderung für Unternehmen, die ihren KundInnen einen authentischen Auftritt präsentieren wollen, der nicht gleich als Werbung abgestempelt wird. Joshis Tipp: Am besten funktionieren da Kollaborationen mit bekannten Snapchat NutzerInnen, ähnlich wie es bereits mit Social Media Influencern auf YouTube gemacht wird.

Ob sich dadurch auch ähnliche Dynamiken ergeben werden wie bei YouTube ist eine andere Frage. Joshi jedenfalls entlässt sein Publikum mit folgendem Hinweis: „Jetzt, liebe Erwachsene, wisst ihr, was Snapchat ist. Tut uns Jungen nur einen Gefallen: Nutzt es nicht!“



Von Katharina von Sohlern am 9. Mai 2016
in Konferenzen, Snapchat, Social Media

Pizza Talk IV: Fighting Back Shitstorms With An Army of Superfans

http://www.techinsider.io/star-wars-collectors-from-around-the-world-2015-12

Foto: Tech Insider

Die neue, vernetzte Medienkultur des digitalen Zeitalters hat einen neuen Fantypus hervorgebracht, den wir bei vm-people als Ultra-Fan bezeichnen, abgeleitet von der Ultra-Bewegung in der Fußball-Fanszene. Typische Kennzeichen eines Ultra-Fans sind unter anderem die hohe Emotionalität, das Bedürfnis nach Immersion und ein hohes Maß an Organisiertheit.

Während Ultra-Fans auf der einen Seite jeden Move ihres Fan-Objekts hyperkritisch begleiten, neigen sie auch dazu Partei zu ergreifen, wenn dieses ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Dieses Verhalten ist im Markenkontext von großer Bedeutung, vor allem in einer Zeit, in denen das Klima in den sozialen Medien immer rauher wird und zunehmend von Hate Speech und Shitstorms geprägt wird.

Von der Rolle von Ultra-Fans aka Superfans (Bezeichnung im amerikanischen Sprachraum) handelt das neuste Kapitel des Shitstorm-Forschungsprojekts, das ich mit Prof. Dr. Jürgen Pfeffer seit einigen Jahren verfolge. Erste Ergebnisse werden wir am 6. April auf der Sunbelt-Konferenz in Newport Beach, dem alljährlichen Gipfeltreffen der Netzwerkanalysten, präsentieren.

Hier der Abstract zu unserer Präsentation:

„Companies and their brands as well as politicians, governmental institutions, and celebrities increasingly face the impact of negative online WOM and complaint behavior. In reaction to any questionable statement or activity, social media users can create huge waves of outrage within just a few hours. These so-called „shitstorms“ pose new challenges for marketing communications in general and specifically for reputation management. The goal of any counter strategy is to individually destabilize as many people as possible in their negative attitude forming. Earlier research have shown that in this process so-called trusted sources come into play. Being a trusted source of information is, by definition, impossible for any company, politician, or other person or institution targeted by an upcoming online firestorm. Instead a target should be able to activate a critical mass of loyal advocates aka „superfans“. Superfans are a relatively new phenomenon in the culture of new media. The term describes loyal people or customers that are far more engaged then average fans. The behavior can be observed in cultural context such as sports or entertainment, but is not limited to these arenas. A network of loyal, well connected believable and therefore influential superfans may have a huge impact on the dynamics and diffusion of a shitstorm. In this talk we present first results of our endeavor to identify superfans in social media and to measure their possible alleviating role on the effects of shitstorms.“



Von Thomas Zorbach am 18. Februar 2016
in Allgemein, Konferenzen, Marken, Shitstorms, Wissenschaft

Transmedia California – On the road to somewhere

Auf meiner Forschungsreise kreuz und quer durch die USA bin ich länger in Kalifornien hängengeblieben. Das hatte aber weniger mit dem angeblich tollen Wetter hier zu tun, von dem immer alle reden. Nein, leider war es ausgerechnet in diesem Jahr ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit. Während in Pittsburgh die Studenten schon in Flipflops zur Uni schlurften, trug man an der Westküste noch Winterjacken. Der Grund für meinen längeren Stopp unter der nicht vorhandenen Sonne Kaliforniens war die hiesige, äußerst lebhafte und gut vernetzte Transmedia-Szene.

Ich habe die „Transmedia Hollywood 3 – Rethinking Creative Relations“ und anschließend die „Transmedia San Francisco – How to geht ahead in Advertising and Gaming“ besucht. Ich habe hier und da im Blog kurz darüber berichtet. Außerdem habe ich mich auf Kickstarter, die Crowdfunding-Platform der Stunde, als Investor beim Alternate Reality Game „The Micacle Mile Paradox“ betätigt und mir dadurch ein Rolle in der Geschichte erschlichen. Produziert wird die Experience von einigen führenden Köpfe der Transmedia-Gruppe in Los Angeles und ich bin schon gespannt, was ab Juli passieren wird.

Inzwischen wurden zu beiden Veranstaltungen Video-Dokumentation veröffentlicht. Für mich ist es sehr interessant zu erleben, worüber in den USA diskutiert wird und aus erster Hand zu erfahren, welche Erfahrungen mit Transmedia Storytelling hier in Theorie und Praxis gesammelt worden sind. Dabei hat sich mein genereller Eindruck verfestigt, dass die Disziplin noch ganz am Anfang steht, sowohl was Ausdrucks-und Erzählformen, als auch was Erlösmodelle anbelangt. Eine Aufbruchstimmung ist deutlich spürbar, aber noch weiß niemand so recht, wohin die Reise geht. Die Videos vermitteln einen guten Eindruck davon.

Transmedia Hollywood , Panel 3: Working on the Margins – Who Pays for Transformative Works of Art?

Transmedia San Francisco – – How to geht ahead in Advertising and Gaming“

Weitere Videos von der Transmedia Hollywood 3



Von Thomas Zorbach am 9. Mai 2012
in Alternate Reality Games, Journey 2012, Konferenzen, Transmedia Storytelling

Transmedia San Francisco – How to get ahead in advertising and gaming

Heute war ich beim Meetup der Transmedia-Scene in San Francisco. Leider gab es vor Ort im Steuart Tower kein Wifi, deswegen fiel die Live-Berichterstattung diesmal aus. Ein kleiner Bericht, inklusive Aufzeichnung der Vorträge wird nachgeliefert.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Beth Rogozinski, CEO, Match Factor. Vorab gab es übrigens lecker Pizza und soviel Energy-Drinks, dass ich nie wieder eine Auge zu bekommen werden. Hmpf!

Die Redner (von links nach rechts): Finnegan Kelly (The Go Game), Frank Marquardt (Barbarian Group), Guthrie Dolin (Odopod), Shirley Lin (Beintoo)

Tweets: #transmediasf



Von Thomas Zorbach am 1. Mai 2012
in Gamification, Journey 2012, Konferenzen, Transmedia Storytelling