Edgar Allen Poe: Urahn der Alternate Reality Games

Am Anfang war „The Beast“. Das ARG zum Film „Artificial Intelligence“ von Steven Spielberg aus dem Jahr 2001 wird gemeinhin angeführt, wenn es darum geht, einen Anfangspunkt dieses narrativen Formats zu markieren. Was dabei übersehen wird, ist die Tatsache, dass das Spiel mit Wirklichkeit und Fiktion einige bedeutende Vorläufer in der Literatur hat. In „Der Bericht des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ erweist sich Edgar Allen Poe als Meister im Verwischen eben jener schmalen Grenze.
Es ist 25 Jahre her als ich dieses Buch gelesen habe, aber ich kann mich noch heute daran erinnern wie aufgewühlt ich war, als Pyms Geschichte in den eisigen Gewässern des Südpolarmeers auf rätselhafte Weise endet. Das heißt, eigentlich endet sie nicht und das ist genau das Verstörende. Denn Poe lässt den Leser im Nachwort wissen, das Pym inzwischen verstorben sei und das Manuskript deswegen unvollständig geblieben ist. Außerdem fügt Poe noch einige persönliche Deutungen jener rätselhaften Ereignisse am Südpol an und steigert damit ihre interpretative Flexibilität – eine ideale Basis für Ansteckung und das Gedeihen von Mundpropaganda.
Die Geschichte des Arthur Gordon Pym ist anlässlich des Poe-Jubiläums immarebuchverlag neu erschienen. Die Ausgabe wurde laut Herausgeber neu übersetzt und ist mit ausführlichen Anmerkungen versehen.