„Memiana“: Transmediale Experience für das bislang größte deutsche Fantasy-Epos gestartet

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In Buch-affinen Online-Kreisen macht in diesen Tagen eine gewisse Hannah Schwarz von sich reden. Die Studentin ist die mutmaßliche Absenderin rätselhafter Tonphiolen, die per Post zugestellt wurden und die mit unbekannten Symbolen verziert sind. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei den Zeichen um einen Code, der zu einer Webseite führt und die den Besucher zu einer Entdeckungsreise in eine fremde, gefährliche Welt einlädt: www.memiana.de

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Bei den Ereignissen um Hannah und ihren ominösen Gefährten Wingort handelt es sich um den interaktiven Prolog zu einem Buchprojekt, das gleich in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist. Einmal aufgrund der schieren Länge, denn Memiana ist mit seinen vierzehn Bänden und insgesamt mehr als 6.000 Seiten das umfangreichste Fantasy-Epos, dass es bislang in deutscher Sprache gegeben hat. Zum Anderen begleiten wir den Verkaufsstart der ersten Bandes „Ewige Wacht“ am 15. März 2014, gemeinsam mit den geschätzten Kollegen von Feder & Schwert mit der wahrscheinlich aufwändigsten Werbekampagne, die jemals für ein Buch in Angriff genommen wurde, das vom Autor selbst veröffentlicht wird. Die auf virale Effekte angelegte transmediale Experience kombiniert Online-Storytelling via Social Media unter anderem in Form von Webisodes mit Real Live-Elementen wie Geocaching und Rollenspiel.

Matthias Herbert ist mit über 300 Drehbüchern einer der erfolgreichsten deutschen Krimi- und Thriller-Drehbuchautoren und ist unter anderem Erfinder der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“.

Die transmediale Kampagne läuft seit letztem Wochenende und lässt sich unter anderem auf folgenden Plattformen verfolgen:

In-Game-Webseite
www.memiana.de

Blog und Facebook-Seite von Hannah:

Teilnehmer-Diskussionsforum



Von Thomas Zorbach am 6. März 2014
in Aktuelle Fallbeispiele, Alternate Reality Games, Das weiße Kaninchen, Transmedia Storytelling

„Ich mach was mit Marketing“

im Interview mit "Virenschleuder" Leander Wattig

Schon vor etwa einem Jahr hatte mich Leander Wattig gefragt, ob ich Lust und Zeit hätte, an seiner Interviewreihe „Ich mach was mit Marketing“ teilzunehmen. Ich bin ihm zwar noch nie persönlich begegnet, verfolge aber schon seit einigen Jahren mit dem größten Interesse, wie er mit seinen vielfältigen Aktivitäten und spannenden Gedanken die Verlagsbranche aufmischt. Seine Initiativen „Ich mach was mit Bücher“ und der „Virenschleuderpreis“ sind aus meiner Sicht Paradebeispiele für cleveres und sehr erfolgreiches Virales Marketing im B-2-B-Bereich.

Manche seiner Thesen erscheinen Verlagsleuten mitunter etwas steil. In einem Beitrag „Geschäftsmodelle vom Ergebnis her denken: Publikums-Verlage als Erlebnis-Agenturen“ entwirft Leander Wattig ein Zukunftsszenario, in dem Publikumsverlage keine Bücher, sondern Erlebnisse, neudeutsch „Experiences“ anbieten. Kurz zusammengefasst lautet seine Argumentation wie folgt: Das Kerngeschäft von Verlagen sind gute Geschichten – warum den Inhalt immer nur zwischen zwei Buchdeckel pressen, wenn es da draußen immer mehr Leute gibt, die an Stories aktiv teilnehmen und sie mitgestalten möchten?

Dass sich solche „Experiences“ durchaus monetarisieren lassen, zeigt das Beispiel Jochen Schweizer (Slogan: „Genug geträumt, jetzt wird erlebt“), ein Unternehmen, das Erlebnisse bzw. Erlebnisgeschenke vermarktet. Man muss nicht viel Phantasie aufbringen, um sich vorstellen zu können, was passieren würde, wenn es einem Verlag gelänge, solche „Event-Produkte“ mit echten „Stories“ zu kombinieren und zu vermarkten. Erlebnisse, die über das obligatorische „Krimi-Dinner“ hinausgehen und die voll auf die Bedürfnisse, der auf Partizipation geeichten „Digital Natives“ ausgerichtet sind.

Dabei haben viele Verlage das Potenzial bereits erkannt. Das zeigt ihr große Interesse an Alternate Reality Games. Allerdings werden diese Experiences bislang ausschließlich zu Marketing- und Werbezwecken eingesetzt und es sind keine Anzeichen erkennbar, dass sich daran bald etwas ändert. Deswegen kommt Leander Wattig zu folgendem Fazit: „Ich könnte mir vorstellen, dass das Geschäftsmodell des heutigen Verlagsdienstleisters vm-people zukunftsträchtiger ist als das vieler Verlage selbst, deren Produkte heute auf diesem Wege noch beworben werden.“

Nach fast einem Jahr habe ich Leander Wattigs Fragen letzte Woche endlich beantwortet. Ich habe den Abstand meiner Forschungsreise gebraucht, um mir über verschiedene Aspekte klar zu werden. Zum Beispiel über die Frage nach dem Geschäftsmodell von vm-people. Und ich muss sagen, dass mir persönlich Wattigs These gar nicht so steil erscheint. Jochen Schweizer ist vielleicht auch in dieser Hinsicht kein so schlechter Vergleich, denn auch der ist nicht gleich mit einem Erlebnisgeschenkportal gestartet, sondern hat als Dienstleiter beziehungsweise mit einer Werbeagentur angefangen.

„Ich mach was mit Marketing“ – mein Interview für Leander Wattig



Von Thomas Zorbach am 11. Mai 2012
in Allgemein, Alternate Reality Games, In eigener Sache, Interviews, Journey 2012, Transmedia Storytelling

Transmedia California – On the road to somewhere

Auf meiner Forschungsreise kreuz und quer durch die USA bin ich länger in Kalifornien hängengeblieben. Das hatte aber weniger mit dem angeblich tollen Wetter hier zu tun, von dem immer alle reden. Nein, leider war es ausgerechnet in diesem Jahr ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit. Während in Pittsburgh die Studenten schon in Flipflops zur Uni schlurften, trug man an der Westküste noch Winterjacken. Der Grund für meinen längeren Stopp unter der nicht vorhandenen Sonne Kaliforniens war die hiesige, äußerst lebhafte und gut vernetzte Transmedia-Szene.

Ich habe die „Transmedia Hollywood 3 – Rethinking Creative Relations“ und anschließend die „Transmedia San Francisco – How to geht ahead in Advertising and Gaming“ besucht. Ich habe hier und da im Blog kurz darüber berichtet. Außerdem habe ich mich auf Kickstarter, die Crowdfunding-Platform der Stunde, als Investor beim Alternate Reality Game „The Micacle Mile Paradox“ betätigt und mir dadurch ein Rolle in der Geschichte erschlichen. Produziert wird die Experience von einigen führenden Köpfe der Transmedia-Gruppe in Los Angeles und ich bin schon gespannt, was ab Juli passieren wird.

Inzwischen wurden zu beiden Veranstaltungen Video-Dokumentation veröffentlicht. Für mich ist es sehr interessant zu erleben, worüber in den USA diskutiert wird und aus erster Hand zu erfahren, welche Erfahrungen mit Transmedia Storytelling hier in Theorie und Praxis gesammelt worden sind. Dabei hat sich mein genereller Eindruck verfestigt, dass die Disziplin noch ganz am Anfang steht, sowohl was Ausdrucks-und Erzählformen, als auch was Erlösmodelle anbelangt. Eine Aufbruchstimmung ist deutlich spürbar, aber noch weiß niemand so recht, wohin die Reise geht. Die Videos vermitteln einen guten Eindruck davon.

Transmedia Hollywood , Panel 3: Working on the Margins – Who Pays for Transformative Works of Art?

Transmedia San Francisco – – How to geht ahead in Advertising and Gaming“

Weitere Videos von der Transmedia Hollywood 3



Von Thomas Zorbach am 9. Mai 2012
in Alternate Reality Games, Journey 2012, Konferenzen, Transmedia Storytelling

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Kaninchengespräche #002: Das Publikum – Mittendrin statt nur dabei

Transmedia Storytelling – quo vadis? Während in Expertenkreisen gerade wieder einmal heftig über Sinn und Unsinn des Begriffs gestritten wird („Transmedia is a lie“) – in einem Punkt scheint man sich weitgehend einig zu sein: die Rolle des Publikums. Der passiven Couchpotatoe, der Medien ausschließlich konsumiert, ist ein Auslaufmodell. In Zukunft werden diejenigen gewinnen, die in der Lage sind, Inhalte auf ein Publikum zuzuschneiden, das aktiv an Geschichten teilhaben möchte.

Patrick Breitenbach, Podcast-Wizzard und langjähriger Freund des Hauses vm-people, hat sich mit drei Leuten unterhalten für die die Zukunft bereits begonnen hat. Michelle Senn, Klaus Lemm (Voltron) und Michael Müller (Spielpuppe) gehören sozusagen zu den „Ultras“ der deutschsprachigen ARG-Fanszene. Am Beispiel des Alternate Reality Games „Ich bin der Herr deiner Angst“ erzählen die Drei, was den besonderen Reiz einer transmedialen Experience ausmacht.

Kaninchengespräche_ARGenten by vm-people

Je mehr sich die Transmedia-Szene um sich selbst dreht und über Selbstfindung, Identität und Definitionen diskutiert wird, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass der Schlüssel zu ihrem Erfolg woanders liegt – beim Publikum und seinen Bedürfnissen. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß mit dem Podcast und den Lektionen 1-3 für jeden transmedialem Geschichtenerzähler: 1. dem Publikum zuhören! 2. dem Publikum zuhören! 3. dem Publikum zuhören!

Vielen Dank an Patrick, Michelle, Klaus und Michael für das Gespräch – auch im Namen des Kaninchens! Der Intro-Track stammt von Codex Machine und heißt „You can never escape the underground“.

Dieser Podcast ist Teil einer Mini-Serie um die Themen Immersion, Transmedia und Storytelling:

Kaninchengespräche #001: Der Puppetmaster – ein moderner Geschichtenerzähler packt aus
Kaninchengespräche #002: Das Publikum – Mittendrin statt nur dabei
Kaninchengespräche #003: Der Autor – Lost in Storyspace? (folgt)
Kaninchengespräche #004: Der Verlag – Vom Leser zum Erleber? (folgt)



Von Thomas Zorbach am 26. April 2012
in Alternate Reality Games, Das weiße Kaninchen, Podcast, Transmedia Storytelling

Hunting the Holy Grail – Video zum Vortrag an der Carnegie Mellon

Wie bereits berichtet habe ich vor Kurzem einen Vortrag an der Carnegie Mellon University gehalten. In meinem Vortrag „Viral marketing and the Exploration of Social Networks“ ging es mir darum, den Studenten im Fachbereich Computational Science eine praktische Anwendung ihres Forschungsgebiets zu demonstrieren. Ich habe unter anderem davon berichtet, wie uns Erkenntnisse aus der Netzwerkanalyse in die Lage versetzen, Alternate Reality Games zu planen und durchzuführen.

Die Universität war so freundlich, mir das Videomaterial meines Vortrages zur Verfügung zu stellen, das ich hier leicht gekürzt präsentiere. Dafür herzlichen Dank, liebe Carnegie Mellon. Ganz besonders herzlich möchte ich mich auch bei Jürgen Pfeffer bedanken. Nicht nur für die Einladung in seinen Kurs „Computational Approaches to Social Complexity“, sondern auch für seine Gastfreundschaft. Die zwei Woche waren in vielerlei Hinsicht erinnerungswürdig!



Von Thomas Zorbach am 24. April 2012
in Allgemein, Journey 2012, Methodiken, Wissenschaft