„New Media Culture“: Buch und Late Night Show

 

Foto: Christine Weitbrecht

Foto: Christine Weitbrecht

Nach langen Jahren intensiver Tätigkeit mit der vm-people GmbH für die Verlagsbranche und unzähligen Kampagnen für Titel multipler Genres (nur Erotik fehlt immer noch, leider!), fand ich mich unlängst in einer neuen, ungewohnten Rolle wieder. Als Herausgeber und Autor der Sachbuches „New Media Culture: Mediale Phänomene der Netzkultur“ war plötzlich eine Promotion für das eigene Werk gefordert.

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Was tun? Kollege Patrick Breitenbach hatte die grandiose, aber nicht ganz unaufwändige Idee, eine Late Night Show zu produzieren. Gesagt, getan: Und so wurden die Autoren an einem brütend heißen Sommertag vor laufender Kamera auf eine Bühne geschubst und vom Host Marcus John Henry Brown zärtlich in die Mangel genommen.

Das Ergebnis kann man sich hier ansehen:

Meine Ko-Autorin Christine Weitbrecht und ich standen zum Thema „Ultra Fandom“ Rede und Antwort. Passend zum Thema im Fan-Outfit. Neben diesem Sujet befindet sich noch ein zweiter Beitrag im Buch, an dem ich mitgewirkt habe. Zusammen mit Prof. Dr. Jürgen Pfeffer gebe ich einen Einblick in unser „Shitstorm“-Forschungsprojekt, das wir 2012 an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh gestartet haben.



Von Thomas Zorbach am 10. Januar 2016
in Allgemein, Fans, Publikationen, Shitstorms

Ende der Diskussion? Beitrag zur Debattenkultur für die Polar Gazette

ausgabe-2014-05-08

Der Verleger Wolfgang Franßen, Strippenzieher beim Polar Verlag, hat mich gebeten einen Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Polar Gazette zu verfassen. 

Let’s take the Shit out of the Storm! In Zeiten wie diesen, da Qualitätsjournalismus zunehmend durch hastige und einseitige Berichterstattung substituiert wird, gewinnt die Partizipation des Einzelnen im Netz und auf der Straße an Bedeutung. Montagsdemo-Comeback, Online-Meinungspluralismus. Das heißt für jeden Einzelnen auch: Nachdenken, hinterfragen, tolerieren. Nicht einfach dummdoof teilen und retweeten. Sturm laufen – aber richtig!

von Thomas Zorbach

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Von Thomas Zorbach am 24. Mai 2014
in Artikel, Diskurs, Publikationen

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Dem „Shitstorm“ auf der Spur: Forschungsprojekt mit der Carnegie Mellon gestartet

Der Sturm der Entrüstung traf mich völlig unvorbereitet und mit voller Wucht. Es war am Abend des 6. Juni 2002, der Tag, an dem der damalige Vorsitzende des deutschen Bundestages Wolfgang Thierse eine neue Imagekampagne der Öffentlichkeit vorstellte. In den Anzeigen- und Plakatmotiven ging es darum, den Jugendlichen zu vermitteln, was die Abgeordneten in Berlin so treiben und was das eigentlich mit ihrem Leben zu tun hat. Gemeinsam mit meinen beiden Mitstreitern Martin Goldbach und Dagmar Kempf hatte ich monatelang auf diesen Moment hingearbeitet. Gespannt saßen wir vor dem Fernseher, Panorama hatte einen Beitrag angekündigt.

(Quelle: SPIEGEL Online)

Schon die Anmoderation verhieß nichts Gutes: „Plump und peinlich“: die Jugendwerbung des Deutschen Bundestages“. Und was dann folgte war eine Hinrichtung allererster Güte. Unmittelbar nach der Sendung griff ein weiteres Leitmedium, Spiegel Online, die Story auf mit der unzweideutigen Headline „Pure Verarschung“. Und während unser Mut langsam zu sinken begann, stieg die Anzahl der ungelesenen Mails in unserem Posteingang dramatisch an. Am nächsten Morgen waren es Tausende. Zwar hatten wir durchaus kalkuliert und beabsichtigt, dass die Ansprache polarisieren würde, nicht gerechnet hatten wir jedoch mit den Pöbeleien und Anfeindungen, die neben konstruktiver Kritik im Sekundentakt auf uns einprasselten.

Der Aspekt, dass sich in die sachliche Kritik, zunehmend „aggressive, beleidigende und bedrohende“ Töne mischen ist das typische Kennzeichen eines „Shitstorms“. Der Begriff bezeichnet eine virale Welle der Empörung, die durch das Internet schwappt und die in (un)schöner Regelmäßigkeit über Einzelpersonen aus Politik und Gesellschaft oder über Personengruppen wie Unternehmen oder Verbänden hereinbricht. Erst kürzlich wurde die Bezeichnung zum „Anglizismus des Jahres 2011“ gewählt. Die Begründung der Jury ist hochinteressant. „Shitstorm“ schließe „eine sprachliche Lücke im deutschen Wortschatz, die sich durch aktuelle Veränderungen in der öffentlichen Diskussionskultur aufgetan hat.“

Nach Ansicht der Sprachwissenschaftler haben wir es also mit einem neuartigen Phänomen zu tun. Das deckt sich mit meinen Beobachtungen, denn obwohl es solche Entrüstungsstürme schon vor zehn Jahren gegeben hat, wie ich am eigenen Leibe erfahren habe, scheinen die Dynamiken, die zur Entstehung und Verbreitung eines Shitstorms führen heute andere zu sein. Während beispielsweise vor einer Dekade die klassischen Medien eine dominierende Rolle bei der Meinungsbildung eingenommen haben, wird diese Funktion inzwischen mehr und mehr von Social Media übernommen. Panorama läuft zwar immer noch, wurde aber inzwischen von Twitter als Leitmedium bei der Entstehung von Shitstorms abgelöst.

Was diese partizipativen und kollaborativen Meinungsbildungsprozesse für die Politik, für die Wirtschaft und für die Gesellschaft bedeuten, das beginnen wir gerade erst zu begreifen. Klar dagegen ist, dass die veränderte Diskussionskultur, deren markanteste Ausprägung der Shitstorm ist, unmittelbare Auswirkungen auf die Frage hat, wie wir den Herausforderungen unserer Zeit begegnen und wie wir mit Andersdenkenen umgehen. Das kann man derzeit beispielsweise an der von beiden Lagern fast ausschließlich emotional und oft unsachlich geführten Debatte über das Urheberrecht ablesen.

„Virtual Shitstorms – The Dynamics of intense Indignation in Social Media Networks”, so lautet der Titel des Forschungsprojekts, das ich gemeinsam mit Jürgen Pfeffer, Post-Doctoral Associate an der Carnegie Mellon University, ins Leben gerufen habe. Damit wollen wir einen Beitrag leisten, um die Dynamiken, durch die solche Empörungswellen verursacht werden, besser zu verstehen und gleichzeitig vielleicht auch das Bewußtsein für die sich verändernde Diskussionskultur schärfen. Teil des Projekts ist der Shitstorm-Radar, der die mediale Berichterstattung rund um das Thema auf Facebook und auf Twitter dokumentiert.

Shitstorms in der Aktuellen Medienbericherstattung:

Der Tagesspiegel, 2. April 2012
Shitstorm – Wie das Netzgetöse zum Medienereignis wird

Financial Times Deutschland, 2. April 2012
Schwarmintelligenz – Shitstorm und Demokratie 

Deutschlandradio Kultur, 29. März 2012
Surfen auf der Empörungswelle

 



Von Thomas Zorbach am 3. April 2012
in In eigener Sache, Journey 2012, Publikationen, Wissenschaft

Die Reichweitenfalle – Plädoyer für die Wirksamkeit von Alternate Reality Games

In einem Artikel im Magazin iBusiness wird Boris Lakowski zum Thema ARGs unter anderem mit den Worten zitiert: „Die Intention ist gut, aber Awareness und Reichweite sind die größten Probleme bei den hohen Kosten“. Sein Fazit: „ARGs sind vor allem ein selbstverliebtes Spielverhalten von Agenturen, das von Kunden belächelt wird.“ Ich weiß nicht genau, was Herr Lakowski so macht. Vermutlich ist er ein As als Social Media Experte und erfolgreich als Strategieberater. Von Alternate Reality Games und ihrem Einsatz im Marketingkontext allerdings versteht er ebenso wenig wie ich von Teilchenphysik.

Die Aussage, dass sich mit einem Alternate Reality keine Reichweite erzielen lasse, ist zunächst einmal sachlich falsch. Zwar ist der Kreis der Teilnehmer, die ein ARG vorantreiben, tatsächlich selten größer als mehrere hundert Spieler. Über die Mundpropaganda und die Medienberichterstattung erfahren aber in der Regel weitaus mehr Leute von der Geschichte. Im Fall von „Die Zeit wird knapp“, unserem ARG für den Jugendroman „Numbers“, haben wir auf diese Weise eine Reichweite von 3,5 Millionen Kontakten erzielt, verteilt auf fünf verschiedene Involvement-Stufen.

Reichweite sollte aber in Zeiten, in denen die Unternehmen nach tragfähigen Konzepten suchen, sich über soziale Medien mit ihren Kunden zu vernetzen, nicht mehr das Hauptziel sein. Um es mit den Worten von Patrick Breitenbach zu sagen: „Reichweite ist fürn Arsch!“ Anders ausgedrückt: Wer heute in erster Linie nach Reichweite strebt, outet sich als Marketingstalinist alter Schule, der dem tradierten Sendermodell anhängt, und der Gefahr läuft, in eine Falle zu tappen. Für alle, die es immer noch nicht verstanden haben: „Märkte sind Gespräche“ (Cluetrain Manifest)! Worauf es ankommt, sind Beziehungen und echte Fans eines Unternehmens. Und genau das können Alternate Reality Games leisten: Erfahrungen stiften, die der Rede wert sind und Beziehungen knüpfen, die über die Dauer einer Kampagne hinaus bestehen bleiben.

Kevin Kelly argumentiert, dass beispielsweise ein Autor nur 1.000 echte Fans braucht, um vom Schreiben zu leben. Okay, für ein Unternehmen dürfen es gerne auch ein paar mehr sein. Ich habe jedenfalls in meinen 20 Jahren in der Kommunikationsbranche kein wirksameres Instrument kennengelernt, wenn es darum geht, echte Begeisterung bei den Leuten hervorzurufen, als Alternate Reality Games. In einem Punkt gebe ich Boris Lakowski allerdings Recht: ARGs haben etwas mit Liebe zu tun. Wer jemals hinter den Vorhang eines ARG geblickt hat, der weiß wie viel Hingabe und Einsatz es erfordert, eine ARG-Community zu unterhalten. Es ist aber ein Einsatz, der sich in mehrfacher Hinsicht bezahlt macht. Wir empfehlen unseren Kunden ARGs, weil wir der Überzeugung sind, dass wir ihre wirtschaftlichen Ziele damit erreichen können, nicht, weil wir selbstverliebt sind. 22.000 verkaufte Exemplare von „Numbers“ und eine Fan-Community, die gespannt auf die Fortsetzung wartet, sprechen für sich. Kunden, die darüber lächeln, wollen wir ehrlich gesagt gar nicht haben. Bitte wenden Sie sich vertrauensvoll an Herrn Lakowski!



Von vm-people am 11. August 2010
in Alternate Reality Games, Diskurs, Publikationen

Von Ochsenwürfen und Schweinehunden: Flow Doc Gerhard Huhn

Im Laufe der Jahre haben viele Menschen wichtige Beiträge geleistet, dass aus einer fixen Idee ein solides, kleines Unternehmen geworden ist. Aus der langen Reihe der Unterstützer, Freunde und Förderer von vm-people ragt jedoch einer heraus: Dr. Gerhard Huhn.

Schon in den Anfängen im Jahr 2000 als vm-people noch für nichts anderes stand als für ein waghalsiges Diplomprojekt, stand er mir als informeller Betreuer zur Seite und löste so manche Schreibblockade durch kompetenten Rat. Später dann, in der Gründungsphase, stiftete er sozusagen die „geschäftliche Ehe“ zwischen meinem Partner Michael Zerr und mir. Sein kreativer Problemlösungsansatz von damals gehört längst zur firmeninternen Folklore und trägt den Namen „Ochsenwurf“. Und auch heute noch steht uns Gerhard Huhn mit Rat und Tat zur Seite, wann immer irgendwo der Schuh drückt. Und das ist bei einem Unternehmen, dass auch im gerade zu Ende gegangen Jahr wieder ein gutes Stück gewachsen ist, nicht selten der Fall.

Apropos Schuh… Gerhard Huhns Motivationskünste als Flow Doc haben sich selbstverständlich inzwischen herumgesprochen, so zum Beispiel zum Jogging-Papst Achim Achilles, bekannt durch seine regelmäßige Kolumne auf Spiegel Online. Für die aktuelle Ausgabe hat Gerhard ein Interview gegeben wie man seinen inneren Schweinehund überwindet und seine guten Vorsätze zum Jahreswechsel in die Tat umsetzt. Prädikat: Besonders lesenswert! Ich für meinen Teil habe mir übrigens vorgenommen wieder mehr zu bloggen. Denn: Gute Vorsätze sind besser als schlechte Absätze! In diesem Sinne allen Lesern dieses Blogs ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2009!

SPIEGEL Online Interview mit Dr. Gerhard Huhn
Website von Gerhard Huhn



Von vm-people am 5. Januar 2009
in In eigener Sache, Publikationen, Vermischtes