Hunting the Holy Grail – Video zum Vortrag an der Carnegie Mellon

Wie bereits berichtet habe ich vor Kurzem einen Vortrag an der Carnegie Mellon University gehalten. In meinem Vortrag „Viral marketing and the Exploration of Social Networks“ ging es mir darum, den Studenten im Fachbereich Computational Science eine praktische Anwendung ihres Forschungsgebiets zu demonstrieren. Ich habe unter anderem davon berichtet, wie uns Erkenntnisse aus der Netzwerkanalyse in die Lage versetzen, Alternate Reality Games zu planen und durchzuführen.

Die Universität war so freundlich, mir das Videomaterial meines Vortrages zur Verfügung zu stellen, das ich hier leicht gekürzt präsentiere. Dafür herzlichen Dank, liebe Carnegie Mellon. Ganz besonders herzlich möchte ich mich auch bei Jürgen Pfeffer bedanken. Nicht nur für die Einladung in seinen Kurs „Computational Approaches to Social Complexity“, sondern auch für seine Gastfreundschaft. Die zwei Woche waren in vielerlei Hinsicht erinnerungswürdig!



Von Thomas Zorbach am 24. April 2012
in Allgemein, Journey 2012, Methodiken, Wissenschaft

Auf der Suche nach dem wunderbaren Beweis: Gastvortrag an der CMU

„Ich habe hierfür einen wahrhaft wunderbaren Beweis gefunden, doch ist der Rand hier zu schmal, um ihn zu fassen.“ Diese kurze Bemerkung im Bezug auf den Satz des Pythagoras, schrieb der Mathematiker Pierre de Fermat im Jahr 1637 an den Rand der Arithmetica. Die Notiz kennzeichnet den Beginn einer faszinierenden Jagd nach einem der größte Rätsel der Mathematik, das erst knapp 350 Jahre später im Jahr 1993 von Andrew Wiles, Professor für Mathematik an der Princeton University, gelöst werden sollte.

Ähnlich wie Generationen von Mathematikern mit „Fermats letzten Satz“, erging es im Jahr 2000 vielen Werbe- und Marketingleuten mit „Gladwells Behauptung“. Der US-amerikanische Journalist Malcolm Gladwell hatte in seinem Buch „Tipping Point – wie kleine Dinge Großes bewirken können“ anhand von vielen Beispielen nachgewiesen, dass sich gesellschaftliche Trends und Mundpropaganda ähnlich wie eine biologische Epidemie verbreiten. Seine Theorie sei jedoch viel mehr als ein Erklärungsmodell, behauptet Gladwell, es handele sich um eine Art Bauplan zur Konstruktion von Mundpropaganda-Kampagnen.

Als mir Gladwells Buch in die Hände fiel, war ich gerade mittendrin in meiner Diplomarbeit „Virus Kommunikation – Aspekte epidemischer Verbreitungsprozesse im Internet“ und besonders empfänglich für eine infektiöse Idee wie diese. Obwohl Gladwell in seinem Buch das Internet nicht mit einem einzigen Wort erwähnte, erschien mir das, was er beschrieb, die Erklärung für die viralen Erfolgsgeschichten von Hotmail, Napster oder der virtuellen Moorhuhnjagd zu sein über die damals viel gerätselt wurde und die ich gerade untersuchte. Das dahinterliegende Phänomen, die Mundpropagada, hatte bis dato immer als unplanbar gegolten, als schicksalshafte Fügung oder pures Glück. Wenn es so war wie Gladwell behauptete, und Mundpropaganda planbar ist, fehlte dafür allerdings so etwas wie der wunderbare Beweis. Ein „Proof of Concept“.

Einen mathematischen Beweis habe ich bis heute nicht erbracht. Aber ich habe auf meiner Suche in den vergangenen zwölf Jahren genügend wahrhafte Anhaltspunkte dafür gesammelt, dass Malcolm Gladwell Recht hat, dass Mundpropaganda plan- und stimulierbar ist und dass Virales Marketing tatsächlich funktioniert. Der Weg zu dieser Erkenntnis war oft nicht leicht. Denn nicht aus jedem Projekt, was wir mit vm-people für unsere Kunden durchgeführt haben, wurde am Ende eine Erfolgsgeschichte. Nichtsdestotrotz gibt es viel zu erzählen.

Am Dienstag habe ich meinen Auftritt hier an der Carnegie Mellon für ein kleines Zwischenfazit genutzt. Jürgen Pfeffer, Post Doctoral Associate an der CMU, hatte mich gebeten einen Gastvortrag in seiner Spring Class zu halten: „Computational Approaches to Social Complexity“. Ich habe den Studenten von meinen Erfahrungen mit dem Marketing in einer vernetzen, komplexen Welt berichtet und wie wir mit Hilfe der Netzwerkforschung versuchen diese Komplexität in den Griff zu bekommen und beherrschbar zu machen. Zwischenfazit deswegen, weil ich der Überzeugung bin, dass die Suche nach dem letzten Beweis weitergehen muss, damit das Virale Marketing den sich ändernden technologischen Rahmenbedingungen anpassen und sich als Disziplin weiterentwickeln kann.

Wie an der CMU üblich, wurde mein Vortrag mitgeschnitten. Darum hoffe ich, dass ich einige Ausschnitte demnächst hier im Blog zeigen kann.



Von Thomas Zorbach am 30. März 2012
in Allgemein, Journey 2012, Methodiken, Wissenschaft

Schlachtfeld Schleichwerbung

Am letzten Wochenende habe ich mich im Internet nach Reisezielen für Oktober umgesehen. Meine Suchkriterien: Strand, nicht mehr als 4 Regentage pro Monat, Wassertemperaturen über 20°. Auf meiner Suche bin ich auch auf dem ein oder anderen Verbraucherportal gestrandet und habe mir dort Testberichte angesehen, darunter einige recht positive über Zypern.

Die Vorstellung, diese könnten nicht von Doris und Günter aus Gelsenkirchen stammen, die dort als Autoren aufgeführt werden, sondern in Wahrheit von Vasily, einem einheimischen Hotelier, von seiner deutschen Ehefrau oder gar von einer extra engagierten Werbeagentur, hat etwas Beunruhigendes, scheint aber gar nicht mal so abwegig. Zumindest, wenn man einem Artikel glauben schenken mag, der heute auf stern.de erschienen ist.

In dem Beitrag werden Verbraucherportale wie ciao.dedooyoo.de oder yopi.de als „Einfallstore für Geheimwerber“ apostrophiert. „Niemand weiß, wie viele „Geheimagenten“ auf Verbraucherportalen und in Foren unterwegs sind, um die Produkte ihres Auftraggebers zu preisen und die der Konkurrenz niederzuschreiben. Dass es solche Menschen gibt, bestreiten auch die Betreiber der Portale nicht“, schreibt der Redakteur Lutz Kinkel.

Was ich von solchen Techniken halte und wie ich diese zu bezeichnen pflege,habe ich an dieser Stelle bereits in einem anderen Zusammenhang geäußert. Das Gleiche würde ich auch Vasily erzählen, sollte er tatsächlich seine Finger im Spiel haben und ihm raten, sich stattdessen etwas einfallen zu lassen, damit in den Verbraucherportalen positiv über ihn und sein Hotel berichtet wird. So schwer ist das nämlich gar nicht, vorausgesetzt man hat die entsprechenden Glaubenssätze verinnerlicht.

PS: Übrigens, hat jemand noch einen guten Urlaubstipp für Oktober?

Artikel auf stern. de lesen



Von vm-people am 29. August 2006
in Artikel, Methodiken

Elevator Pitch

Wie erklärt man jemandem im Verlauf einer einzigen Fahrt mit dem Aufzug, was Evolution ist? Schwieriges Unterfangen, möchte man meinen! Nicht so für das Ars Electronica Center in Linz. Wer im Außenlift direkt ins Sky Media Loft im Obergeschoß schwebt, dem führt eine multlimediale Installation die Antwort vor Augen.

Auch nicht leicht: Wie erklärt man jemandem, der nicht viel Zeit hat, was Virales Marketing ist? Am besten mit Bildern, haben wir uns gesagt und einen kurzen Film über unsere Disziplin gemacht. Jetzt suchen wir noch noch einen geeigneten Wolkenkratzer für die Aufzug-Premiere. Der hier wäre nicht schlecht…
;-)

Elevator Pitch: „Evolution“
Elevator Pitch: „Virales Marketing“



Von vm-people am 29. Mai 2006
in In eigener Sache, Methodiken

Alternate Reality Gaming

ClickZ Columnist Sean Carton berichtet in seiner Trend-Kolumne „The Leading Edge“ von einer neuen Spielart des Viralen Marketing, die immer mehr Nachahmer findet: Alternate Reality Gaming (ARG). Dabei handelt es sich um eine Technik an der Grenze zwischen Realität und Fiktion. Stilbildend waren die Kampagnen für den Film A.I., für das Computerspiel Halo 2, oder für den Mini Cooper.“These efforts blend „hoax“-like Web sites that don’t announce their affiliation with online quests, unfolding mysteries, and even real-world activities such as messages received at phone booths or prerecorded calls to participants in the middle of the night.“, so Carton.

Um Mißverständnissen vorzubeugen, liebe Telefonmarketer: ARG bedeutet nicht, wildfremde Menschen durch einen Roboter anrufen zu lassen, um ihnen mitzuteilen, sie hätten bei irgendeinem Gewinnspiel gewonnen.



Von vm-people am 23. März 2005
in Artikel, Methodiken